Tschüss mit Ü

Güle güle, Avusturya – immer mehr Menschen sagen Österreich Lebewohl, um in die Türkei zu ziehen. Was in Deutschland bereits länger der Fall ist, könnte auch hierzulande bald eine Tatsache sein: die Migrationsrichtung dreht sich um.

Ende der kommenden Woche wird laut Angaben der Statistik Austria die Wanderungsstatistik des Jahres 2012 vorliegen. Ich bin schon sehr gespannt, ob die neuen Zahlen einen bemerkenswerten Trend der vergangenen Jahre bestätigen werden – die Umkehrung der Migrationsrichtung zwischen Österreich und der Türkei.

Wen man die Gesamtzahl der Zu- und Wegzüge von/nach Österreich aus/in die Türkei betrachtet, muss man kein Zahlengenie sein um festzustellen, dass das Saldo von 2007 bis 2011 deutlich gesunken ist. Legt man die Entwicklung zwischen 2010 und 2011 einfach auf 2012 um, tja, dann hätten wir bereits im vergangenen Jahr erstmals ein negatives Saldo gehabt:

Gleiches gilt übrigens auch für die Zu- und Wegzüge türkischer StaatsbürgerInnen, die innerhalb der Wanderungen zwischen Österreich und der Türkei natürlich den größten Anteil ausmachen:

Kommende Woche werden wir sehen, ob diese (natürlich vollkommen unwissenschaftliche) Hochrechnung bestätigt wird. Aber unabhängig davon, ob wir schon 2012 eine Nettoabwanderung in die Türkei hatten, es erst heuer so weit sein wird oder vielleicht noch ein paar Jahre dauert: Das beliebte Schauermärchen vom wohlfahrtsstaatlichen Schlaraffenland Österreich, das Scharen türkischer Einwanderer magisch anzieht, zerfällt im harten Licht der Fakten rascher zu Staub als ein Vampir beim Sonnenbaden.

In Deutschland schon längst Realität

Bei unseren deutschen Nachbarn ist die Abwanderung in Richtung Türkei schon länger der Fall. Laut dem aktuellen Migrationsbericht des deutschen Bundesamts für Migration und Flüchtlinge zogen 2011 um 1.735 Menschen mehr von Deutschland in die Türkei als in die umgekehrte Richtung – 31.021 Zuwanderungen aus der Türkei standen 32.756 Abwanderungen gegenüber (wobei 2011 erstmals seit Jahren wieder ein leichtes Zuwanderungsplus türkischer Staatsbürger/innen verzeichnet werden konnte: +688 nach -4.190 im Jahr 2010). Schon 2010 kam der SpOn-Faktencheck zur Migration zu dem Ergebnis, dass Deutschland in punkto Türkei ein Auswanderungsland ist.

Wenn dieser Trend nun auch Österreich erfasst, ist das für uns weder erfreulich noch ein politisches Ruhmesblatt. Auswanderer sind immer ein Verlust – und in Zeiten des allseits beklagten Fachkräftemangels wiegt dieser wirtschaftlich doppelt schwer.

Die Türkei bietet Talenten eine Perspektive …

Die Detailanalysen sollen andere liefern, aber für mich liegt eine der Ursachen auf der Hand: Wer mit türkischen Wurzeln Karriere machen will, findet in der Türkei einfach bessere Chancen vor als bei uns. Die Türkei bietet u. a. ein deutlich stärkeres Wirtschaftswachstum als Österreich, hat einen entsprechend hungrigen Arbeitsmarkt, kann mit coolen, (demografisch) jüngeren Metropolen wie Istanbul und einem deutlich besseren Wetter (*seufz*) locken und – last, but not least – behandelt einen dort niemand als Mensch zweiter Klasse, bloß weil man türkische Eltern hat.

… die Österreich nicht einmal wahrnimmt

Egal, welche Zahlen die Wanderungsstatistik nächste Woche bringen wird: Österreich kann es sich nicht leisten, die türkischen (wie auch alle anderen) Talente zu verlieren. Darum hoffe ich, dass der oben beschriebene Trend endlich als integrationspolitisches Alarmsignal wahrgenommen wird – denn bislang ist diese Entwicklung hierzulande kaum in das öffentliche Bewusstsein vorgedrungen.

Nachtrag:

Heute, am 15. Juli, wurde die aktuelle Wanderungsstatistik für 2012 präsentiert – etwas später, als mir ursprünglich im Rahmen einer telefonischen Auskunft mitgeteilt worden war. Laut den neuen Zahlen ist das Saldo der Wanderungen aus der und in die Türkei 2012 im Vergleich zu 2011 wieder leicht gestiegen (wobei es noch deutlich unter dem Niveau von 2010 und den Jahren davor liegt). Bei dieser Gelegenheit wurden auch gleich die Zahlen von 2007 bis 2011 revidiert, was im Rahmen einer Presseaussendung der Statistik Austria wie folgt begründet wird:

Die Wanderungsstatistik beruht auf den im Zentralen Melderegister (ZMR) des Bundesministeriums für Inneres (BMI) verspeicherten An- und Abmeldungen von Hauptwohnsitzen. Die Wanderungsstatistik erfasst alle Wanderungsbewegungen (Hauptwohnsitzwechsel) innerhalb Österreichs sowie zwischen dem Ausland und Österreich. Im Einklang mit den Empfehlungen der Vereinten Nationen (1998) zur Erfassung und Klassifizierung von Migranten und Migrantinnen nach ihrer Aufenthaltsdauer berücksichtigt die Wanderungsstatistik nur Personen mit einem Aufenthalt (Hauptwohnsitzmeldung) von mindestens 90 Tagen im Bundesgebiet Österreichs. Die Statistik des Bevölkerungsstandes für den 1.1.2012 beruht auf den nach bevölkerungsstatistischen Kriterien aufgearbeiteten Daten über Hauptwohnsitzmeldungen im Zentralen Melderegister. Zur Wohnbevölkerung zählen Personen mit einer (den Stichtag einschließenden) Aufenthaltsdauer (Hauptwohnsitzmeldung) von mindestens 90 Tagen. Die Registerzählung zum Stichtag 31.10.2011 brachte ein von der Statistik des Bevölkerungsstandes abweichendes Ergebnis im Ausmaß von rund -35.000 Personen. Zur Wahrung der Konsistenz mit den Zählungsergebnissen war sowohl eine Revision der laufenden Bevölkerungsstatistik als auch der Wanderungsstatistik notwendig. Diese Revision betrifft die Bevölkerungsstände der Stichtage zwischen 1.4.2007 und 1.1.2012 sowie die Jahresdurchschnittsbevölkerung und die Wanderungsstatistik der Jahre 2007 bis 2011.

Das österreichisch-türkische Wanderungssaldo von 2007 bis 2011 musste deshalb sogar noch etwas nach unten revidiert werden. Meine Grafik ist damit leider überholt und derzeit fehlt mir die Zeit für eine Aktualisierung. Aber ich werde die Veröffentlichung der nächstjährigen Wanderungsstatistik im Auge behalten und spätetens dann wieder einen Blogpost zu diesem Thema verfassen.

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Ein Kommentar

  1. gehtdichnichtsan
    Am 18. August 2013 um 11:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Du bist eine linke, geisteskranke, gewissenlose Karrieresau. Ich wünsche dir alles, nur nichts Gutes.

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