Failmanns #fail

Anfangs fand ich Werner Failmann, zugegeben, amüsant. Die Schwächen des Social Media-Auftritts unseres Bundeskanzlers mittels ironischer Persiflage gnadenlos aufzuzeigen, war eine durchaus unterhaltsame Form des Widerstands gegen die „Bespielung“ von Facebook & Co. mit mehr oder minder belanglosen Verlautbarungen vom Ballhausplatz. Doch der Witz ist inzwischen gegessen.

Gleich vorweg: Ich bin niemand, der die eher tapsigen Gehversuche des Bundeskanzleramts auf dem eigenwilligen Terrain des Web 2.0 verteidigt. Zwar wurde mir von meinen Eltern beigebracht, dass jeder Mensch das Recht hat, Fehler zu machen, aber manche Schnitzer sollten Profis einfach nicht unterlaufen. Darum habe ich diverse Versäumnisse des @teamkanzler auch mehrfach öffentlich kritisiert – z. B. in einem Kommentar in der Zeitung medianet oder in einem Interview mit der ZiB2.

Ich schreibe diesen Beitrag also nicht, weil ich mir um Werner Faymann Sorgen mache, sondern weil ich es inzwischen bedenklich finde, wie zahlreiche „Core User“ der sozialen Medien (um das Wort „Social Media-Elite“ zu vermeiden) auf das Phänomen „Failmann“ reagieren.

Schädliche Schadenfreude

Eine dominante Rolle scheint dabei die Schadenfreude einzunehmen. Schadenfreude ist eine zutiefst menschliche Reaktion, die gerade dann, wenn es um die Bestrafung von Normverstößen in einer Gesellschaft geht – und auch die Social Media-Community kann inzwischen diesen Status beanspruchen – besonders offen ausgelebt wird.

Keine Frage, das Bundeskanzleramt hat einige Normen der Netzgesellschaft (meines Erachtens aufgrund schlechter Beratung und nicht aufgrund mangelnden Willens) missachtet und muss dafür nun auch ein gewisses Maß an Häme in Kauf nehmen. Doch offene Schadenfreude ist weder besonders sympathisch, noch sonderlich konstruktiv. Es gibt gute Gründe, warum sie in manchen Wertesystemen sogar geächtet wird – denn die Grenze zum Mobbing kann dabei schnell überschritten werden.

Fünf Fragen

Wer die sozialen Medien schätzt, sollte daher mal kurz mit dem Spotten aufhören und sich ein paar grundlegende Fragen stellen:

  • Ist „Failmann“ wirklich das, was wir uns von den sozialen Medien erwarten?
  • Einen anonymen Schattenkanzler der Republik Twitterreich, hinter dem irgendwelche Unbekannten stehen?
  • 1, 2 oder 3 Personen, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht willens sind, ihre zum Teil berechtigten, aber zum Teil auch rufmörderischen Vorwürfe persönlich zu vertreten?
  • Ist eine Initiative, die in jeder Hinsicht noch unpersönlicher auftritt als das „Team Bundeskanzler“, tatsächlich die „wahrscheinlich erfolgreichste Social-Media-Kampagne der vergangenen Jahre“, wie „Der Standard“ so euphorisch schrieb?
  • Ein glühendes Vorbild für die Art und Weise, wie wir künftig die Möglichkeiten der (gar nicht mehr so) neuen Medien nutzen wollen?

Schmäh ohne

Wo bleiben die Grundregeln jedes demokratischen Diskurses? Müssen wir die vom boshaften Double Werner Faymanns nicht ebenso einfordern wie vom Bundeskanzler auch? Oder wollen wir lieber fröhlich schunkelnd mitklatschen, wenn eine demokratische Institution unseres Landes nachhaltig beschädigt wird?

Seit „Failmann“ dazu übergegangen ist, mit dumpfen Skihüttenrhythmen seine „15 minutes of fame“ künstlich zu verlängern, stellt er Eigeninszenierung offensichtlich über Anspruch. Darauf angesprochen, rechtfertigt er sich damit, dass sein „geschmackloses Volk“ das so will. Wem, außer sich selbst, hält „Failmann“ damit noch einen Spiegel vor?

Werner „Failmann“ war ein paar Tage lang ein unterhaltsames Satireprojekt – doch sein Witz hat sich inzwischen aufgebraucht. Übrig bleibt ein bedenklicher Cocktail aus schenkelklopfendem Humpta-Humpta-Humor und gehässigen Unterstellungen, die zum Teil auf FPÖ-Niveau (wer sagt uns eigentlich, dass „Failmann“ nicht von einer Partei unterstützt wird?) und im Schatten der Anonymität ventiliert werden.

Wenn es das ist, was wir von den sozialen Medien wollen, haben wir wirklich nichts besseres verdient. Ich will und kann mich damit nicht abfinden. Herr Failmann, bitte treten Sie zurück.

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24 Kommentare

  1. Mahnamahna
    Am 25. November 2011 um 12:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „wenn eine demokratische Institution unseres Landes nachhaltig beschädigt wird?“ – nu, failmann tut der institution des österreichischen bundeskanzlers nichts gutes, keine frage. aber die nachhaltige schädigung hat durch teambundeskanzler & co bereits stattgefunden. failmann zeigt(e) das nur deutlich auf, aber hier in österreich brauchen wir das DEUTLICHE vorhalten, damit die leute aus ihrer politlethargie gerissen werden. wir brauchen keine weiteren faymänner, grasser, oder anderweitig NACHHALTIG schädliche figuren in unserer politik.

  2. Marco Riederer
    Am 25. November 2011 um 12:55 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Könnte eine endlose Runde werden… Liegt doch wohl auf der Hand, dass Spott, Hohn und schlechte Neuigkeiten schnellere Verbreitung finden und nachhaltiger sind als belanglose (bzw. wichtige, aber fade) Informationen oder Erkenntnisse.
    Aber was genau hat das (abgesehen von der dadurch noch schnelleren Verbreitung) mit Social Media zu tun? War doch immer schon so, oder nicht!?

    „Schadenfreude ist die schönste Freude“.. oder wie war das noch gleich!?

  3. Am 25. November 2011 um 12:58 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ja, wo bleiben die Grundregeln des demokratischen Diskurses eigentlich?
    Werner Failmann ist das lästige Beiprodkt eines vollkommenen Missmanagements, das so garnichts ausgelassen hat: anfangs lustig, dann trollig, dann teilweise brachial aber doch ab und zu faktisch.
    Das ist die übliche Symptomatik, die man von sozialen Medien erwarten kann, wenn man sich nicht im Geringsten um den sozialen Aspekt kümmert.

    Die Anonymität von Werner Failmann, die du in Fragen 2-4 hinterfragst, tut mMn recht wenig zur Sache. Die Forderung nach dem Benchmark Identifizierbarkeit kennt man acuh von Diskussionen zu zB Anonymous, bringen aber nicht viel weiter; Gründe warum man gewissen Aktionismus nicht als Person selbst ausübt sind vielfältig: die Mystik bewahren (Puppetmaster könnte unsympathisch sein), wäre beruflich wenig geduldet (nur Kabarettisten könnten sich vermutl outen), Vorwurf des Kalküls.
    Der Humor, die Satire und die Tatsachen & Hinterfragungen von Failmann werden dadurch aber kaum in den Schatten gestellt, nur weil man den/die Urheber nicht kennt.

    Social Media reguliert sich selbst: wenn es niemanden interessiert, existiert es nicht mehr. Dem BKA & den Mehrwertnummernexperten im Teamkanzler liegt scheinbar nicht mal das am Herzen.

    Fazit: hausgemacht. Wer ihn lästig findet ignoriert ihn einfach.

  4. Am 25. November 2011 um 12:59 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ja und nein.

    Ja, Failmann geht für mein Empfinden oft zu weit, nervt. Ja, seine Anonymität ist bedenklich – aber nur bedingt, da viele (Journalisten, Twitterer, auch ich) inzwischen wissen, wer dahinter steckt, was automatisch für Hygiene sorgt: Wäre es unlauterer politischer Wettbewerb, wäre er längst brutal zwangsgeoutet worden.

    Nein, Mobbying ist das nicht. Ein Kanzler, der eine 6stellige Summe unseres Geldes dafür ausgibt, sich durch eine (zweite) Homepage sowie eine Smartphone-App – beides völlig ohne Erkenntnisgewinn – huldigen zu lassen, nachdem er viele Millionen Steuergelder auf fragwürdige Art und Weise dazu verwendet hat, sich die Gunst von Printmedien zu kaufen in Printmedien in Szene zu setzen, ein Kanzler, dessen ganzes System auf Korruption gebaut ist, MUSS kritisiert werden.

    Wenn Kritik zu Konsequenzen führt, wie sie Michael Jeannee, Wolfgang Ainetter und einige Andere, deren Fälle leider (noch) nicht öffentlich sind, erleiden mussten, dann ist es verständlich und begrüßenswert, wenn die Kritik anonym geführt wird.

    Mir tun das Teamkanzler und Angelika Feigl aufrichtig leid, weil sie Prügel für etwas bekommen, für das sie nichts können.

    Doch Werner Failmann ist nur der Geist, den Werner Faymann rief.

  5. Johannes
    Am 25. November 2011 um 13:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @Helge:

    „Ein Kanzler, der [..] viele Millionen Steuergelder auf fragwürdige Art und Weise [..] verwendet hat [..], MUSS kritisiert werden“
    vs
    „Mir tun das Teamkanzler und Angelika Feigl aufrichtig leid, weil sie Prügel für etwas bekommen, für das sie nichts können.“

    Ich sehe hier einen Widerspruch.
    Wieso muss der Kanzler kritisiert werden (zurecht, wie ich finde), aber das Teamkanzler erwirbt sich dein Mitleid?

    Ein weiterer Widerspruch ergibt sich bei den „Failmann-muss-weg“-Rufern die ihm weiterhin auf Twitter folgen.
    Hier stimme ich den letzten beiden Absätzen von fatmike182 zu: a) Social Media reguliert sich selbst und b) wer ihn lästig findet, soll ignorieren.

  6. Am 25. November 2011 um 13:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Spätestens die Existenz von @wernerfailmann hat gezeigt, dass es die Institution „Bundeskanzler“ nicht mehr gibt — die wurde bereits durch die Ernennung des aktuellen Inhabers dieser Position abgeschafft und an ihrer Stelle eine Inseratenkanzle geschaffen.

    Vom Produkt einer Satire einen demokratischen Diskurs zu verlangen ,während man zur selben Zeit vom „Opfer“ dieser Satire, man verzeihe mir den Kraftausdruck, verarscht wird, halte ich für sehr gewagt. Eine Demokratie muss eben solche Erscheinungen wie Failmann aushalten, genauso wie sie mit gewählten Vertretern umgehen muss.

    Natürlich ist ihre Meinung zu respektieren, Herr Bachleitner, ebenso wie das Recht, diese Meinung öffentlich und frei kundzutun. Aber genau dieses Recht muss dann ebenso für die Personen, die hinter Failmann stehen, gelten.

    Man mag die starke Präsenz von Failmann nicht goutieren, man mag den plumpen Schenkelklopfer-humor ablehnen, man muss aber dennoch die freie Meinungsäußerung akzeptieren.

    Um ehrlich zu sein, finde ich die späte Erkenntnis, dass Failmann plötzlich böse und uncool ist, fast schon ein bisschen heuchlerisch. Ich wage sogar zu behaupten, dass sie einen solchen Blogpost nicht geschrieben hätten, handelte es sich hier um eine Persiflage eines Politikers einer anderen Partei.

    Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, als erleben wir hier gerade „das Imperium schlägt zurück“ — es ist aber fraglich, ob diese Taktik sich, nach den vielen Fehlern der letzten Wochen, nicht als ein weiterer Schuß, der nach hinten losgeht, verhalten könnte.

  7. Am 25. November 2011 um 13:53 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich finde die Anonymität bedenklich und daran ändert sich auch nix, wenn ein paar Leute wissen, wer dahintersteckt. Was soll das auch ändern? Es geht ja nicht um Transparenz in einem elitären, kleinen Kreis.

  8. Am 25. November 2011 um 14:04 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich teile so einiges in der Analyse von Stefan, den Rücktritt von Werner Failmann fordere ich allerdings nicht. Dafür hätte ich gerne, dass nicht der Spott überwiegt, sondern konkrete Kritik. Dazu mein Blogbeitrag:
    http://schreuder.at/2011/11/25/faymanns/

  9. Am 25. November 2011 um 14:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Ja, dürfen’s denn des?“

    @WernerFailmann ist die Antwort auf Fragen, die man sich in Österreich (leider) nicht mehr stellt, weil die Verhaberung/Verheiratung/Verflechtung zwischen den Massen-Medien und der Politik zu dicht geworden ist. Die Neigung der Medien selbst Politik zu gestalten, hat dazu geführt, dass wir Kampagnenjournalismus auf allen Ebenen erleben. Die Neigung der Politik selbst Medien zu gestalten, hat dazu geführt, dass wir sachliche Berichterstattung und persönliche Meinungsäußerung nicht mehr getrennt aufgetischt bekommen.
    Ich nehme den schrillen, manchmal bösartigen Humor eines Satire-Kanzlers in Kauf, wenn er zu einem Diskurs führt, der das Verhältnis von Medien und Politik ausleuchtet. Wenn die herkömmlichen Medien als 4. Gewalt ihre Kontrollfunktion nicht mehr ausüben, dann braucht es eben die sozialen Medien. Nachsatz: auch wenn die ganz schön asozial sein können.

  10. oxaffe
    Am 25. November 2011 um 14:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Laut letzter Umfrage vertrauen noch 13% der Österreicher der heimischen Politik, und hier wird ernsthaft versucht einem (anonymen) Spaßvogel auf Twitter die Beschädigung demokratische Institution zu unterstellen. Also echt jetzt. Der hat nichtmal 10k Follower – das sollte unsere Demokratie ja gerade noch so aushalten können. Und wenn nicht kompensieren wir das halt durch ein paar Inserate, wir hams ja.

    Für mich persönlich äusserst fraglich ob der Beitrag hier so stehen würde wäre ein Politiker irgendeiner anderen Partei betroffen.

  11. Uwe Trummer
    Am 25. November 2011 um 14:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich hätte noch eine Frage: Würdest du diesen Kommentar auch schreiben wenn die Parodie nicht einem SPÖ Bundeskanzler sondern einem Politiker einer anderen Partei gelten würde?

    Sehe nämlich durchaus öfter rufmörderische Vorwürfe oder unkonstruktive Tweets, aber nicht mit so viel Erfolg. Und Erfolg kann ja wirklich nicht Nachteil sein oder? Jedenfalls möchte ich auf Twitter auch gut unterhalten werden und Failmann gegen Pandi ist Unterhaltung pur ;-)

  12. Am 25. November 2011 um 14:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich möchte geständig vorausschicken, dass ich mir wenig von der berichterstattung, besprechung und den analysen der auftritte des „teams faymann“ und der failmänner aufmerksam durchgelesen habe. Dennoch bin ich über einiges gestolpert und habe den eindruck, dass es viel mehr gäbe, habe den eindruck, dass die „story“ eine große und bestimmende zu sein scheint. Befremdlich, würde ich sagen. Peinlich, finde ich eigentlich.

    Deutlich ‚analysierenswerter‘ als der failmänner auftritt wäre in meinen augen, wieso das und warum das und für welche gruppen das eine „story“ ist, die das system ganz toll lang spielen kann. Also ganz toll lang im vergleich zu deutlich relevanteren und interessanteren stories, die für das system aber wohl keine sind.

    (bin bezeichnender weise auch von nem journalisten zu faymann & failmann befragt worden, als ob das DAS thema wäre. Well, can’t agree there. http://bit.ly/sbsmkleinezeitung)

    Mir scheint in der ganzen geschichte nebst der absolut banalen unfähigkeit des teamkanzler, welche nicht überraschend sondern evidenzen bestätigend ist, der exzessive distinktionsgewinn gegenüber (1) allgemein den abgehalfterten politikerInnen und (2) im konkreten einem bundeskanzler zu sein. Ein distinktionsgewinn, den ich nicht den leserInnen anlassten würde sondern bei journalistInnen und va social media experts verorten würde. Lange rede kurzer sinn, mir scheint, es geht hauptsächlich um billigen distinktionsgewinn und um die systemnotwendigkeit des selbstdarstellung der social media beraterInnen.

  13. Markus
    Am 25. November 2011 um 14:38 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die Forderung „Treten Sie zurück“ ist großartige Ironie und sollte als solche behandelt werden. Es wäre daher konstruktiver, sich mit der ernst gemeinten Kritik von Stefan Bachleitner auseinander zu setzen und nicht exzessiv mit der Pointe am Schluss des Blogbeitrags.

  14. Am 25. November 2011 um 14:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Leider ist der Geist der Menschen oft den Technologien die sie nutzen unterlegen.“

    Wenn Werner Fayman ehrlich, transparent und vorallem selber seine Social Media Kanäle bedienen würde könnte, dann hätte es #failmann schwerer oder es würde ihn gar nicht geben. Der größte Feind dieser Medien ist die Unpersönlichkeit.

    Jede Aktion ruft eine Gegenreaktion hervor! Und wenn gewisse Persönlichkeiten Medien missbrauchen, dann soll dies auch aufgezeigt werden. Denn Twitter und Facebook sollen nicht zur Kronen Zeitung 2.0 werden. Zum Glück wehrt sich die 2.0 Gesellschaft.

    Weiters glaube ich nicht, dass die FPÖ eine Hintertürkampagne notwendig hätte, denn leider weiß die FPÖ wie man 2.0 einsetzt „richtig missbraucht“ und sie tun es…

  15. Am 25. November 2011 um 14:57 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich wollts nicht schreiben, aber wenn die Katze schon mal aus dem Sack ist, dann stimme ich dem hier zu!Lange rede kurzer sinn, mir scheint, es geht hauptsächlich um billigen distinktionsgewinn und um die systemnotwendigkeit des selbstdarstellung der social media beraterInnen.

  16. nachtflug
    Am 25. November 2011 um 15:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

    kudos @ jürgen koprax

    zwei ergänzungen:
    1. die von herrn bachleitner bekritelte anonymität von failmann ist doch sehr relativ. wer weiss denn beim „kanzler 2.0“ wer das gepostet hat? sehr anonym wie ich meine.

    2. wer ramponiert denn mit kroneleserbriefen welche institution? da nochmal zwei momente darüber nachdenken lohnt sich. oder einfach bei failmann vorbei schauen. der hat jeden tag was neues drauf das nicht aus seiner feder stammt, aber die institution ramponiert.

  17. miss
    Am 25. November 2011 um 15:49 Uhr veröffentlicht | Permalink

    schepfts was, es ist noch arbeitszeit.

  18. Am 25. November 2011 um 17:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Johannes:
    Das Team Kanzler kann einem leid tun, weil beamtete und vertragsbedienstete Mitarbeiter des Bundespressedienstes die Drecksarbeit für was machen können, das *auch* Ergebnis von politischen Verfehlungen ist, nicht nur von inhaltlichen.

    Nun gut, sie haben sich vielleicht ihren Arbeitsplatz selber ausgesucht, aber so einfach ist es nicht. Das BKA ist ein Amt. Die kommunikative Vermischung zwischen SP-Chef und Bundeskanzler ist keine Schuld des BKA.

  19. Am 25. November 2011 um 17:49 Uhr veröffentlicht | Permalink

    und zu failman: ich denk mal der kriegt durch diesen Blogpost eher noch mal einen kleinen Anschub, der läuft sich bald von selber tot, er ist zu wenig konsistent, zu wenig lustig, zu wenig profiliert – gegen einen Failmann von der Qualität eines John Stewart hätte ich auch auf länger nix einzuwenden, aber das wär dann halt mehr als ein Hobbyprojekt…

  20. Am 25. November 2011 um 21:17 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Danke für diese treffenden Worte. Ich bin weder SPÖ- Mitglied noch -Wähler, schon gar nicht Faymann- Fan. Einige Tage habe ich die „Failmann“ – Satire ja auch ganz witzig gefunden.

    Das diese jetzt weiter schamlos ausgeschlachtet ist, habe ich zwar periphär mitbekommen, über die Konsequenzen, die dieses Treiben hat, regt mich jetzt aber erst wieder Dein Blog- Artikel zum Nachdenken an.

    Ob „Failmann“ die staatlichen Institutionen durch seinen etwas nervigen Brachialhumor wirklich (weiter) schädigen kann, wird wohl erst rückblickend wirklich bewertet werden können (die gesamte Politik beschädigt sich durch Ihr Handeln auc abseits des Politikmarketings ja derzeit sowieso ständig selbst)

    Für mich zeigt aber jedenfalls die anhaltende „Failmann“ – Historie, wie selbstverliebt und präpotent Teile der österreichischen Web 2.0 – Szene auftreten. Eine Gruppe von Menschen, zum großen Teil aus der Werbe / PR – Szene stammend machen Faymanns Auftritt von oben herab lächerlich, nach dem Motto „so gut wie wir kann das Team Kanzler nie werden. Denn wir sind die einzigen wahren „New Media“ – Experten“

    Mit der Beschäftigung mit Failmann feiert sich die Community wieder einmal selbst. Dabei ist aus meiner Sicht dieses Feiern, und das Beschäftigen mit der Form statt mit dem Inhalt gerade in Zeiten wie diesen zweitrangig – genauso übrigens wie die Beschäftigung mit anderem Weltbewegendem wie dem Tragen von Nudelsieben.

    Der Inhalt des „Kanzlers 2.0“ wäre dabei aus meiner Sicht weit diskussionswürdiger – oder wie kann es zB sei, dass eine (angeblich) sozialdemokratische Regierungspartei ernsthaft eine „Schuldenbremse“ einführen will?

    Möglich wäre natürlich dass auch bereits Teile der Community aufgegeben haben, über Inhalte zu diskutieren, weil über die Form zu ätzen wesentlich bequemer ist.

  21. der dunc
    Am 25. November 2011 um 23:10 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Satire muss man verkraften können. Satire muss nicht den „politischen Diskurs“ (was soll das überhaupt sein?) aufrecht erhalten. Das Twitterverse – Sektion Autriche – ist noch so unbedeutend, dass von einer Demokratiegefährdung oder dergleichen nicht die Rede sein kann.

    Es gibt viel., was in diesem Land kritisierenswert wäre. Eine „Kunstfigur“ wie diese ist diesbezüglich im oft zitierten „Unter ‚ferner‘ liefen“-Bereich anzusiedeln.

    PS: offene Schadenfreude ist – wie jede Schadenfreude – die schönste Freude.

  22. Rene Stangeler
    Am 25. November 2011 um 23:17 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand Pflicht.

  23. Daniel_Roetzer
    Am 25. November 2011 um 23:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wer den Spott hat, …

    Ich kann die Meinung nicht teilen, auch Schadenfreude hat ihre Facetten. Es ist ein Unterschied, ob ich mich darüber freu‘, dass des Nachbarn Buben sein Auto abbrannte, weil’s eh so laut war oder eben über eine völlig misslungene Twitter-Kampagne (mehr ist der Versuch nicht und eigentlich nicht mal das). Insbesondere, wenn diese mit Riesen-Trara angekündigt und gestartet wurde, ein Haus (Kleines, aber doch) kostet und von 9! „Profis“ betreut wird.

    Man kann von Hochegger & Co halten was man will, aber manchmal wär’s nicht schlecht, Rat einzuholen. Für learning by doing ist das Internet, und speziell der Bereich SM, so ziemlich das schlechteste Feld, das man sich aussuchen kann. Halb Österreich wartete gespannt auf den Twitter-Auftritt des Bundeskanzlers, ein Teil davon hoffte auf einen holprigen Start … aus heutiger Sicht kann wohl gesagt werden, ihre Hoffnungen wurden übertroffen.

    Gar nicht, weil’s weiß Gott wie schlimm war, sondern weil man vorher so ein Theater drumherum gemacht hat. @Minoritenplatz oder die Presse-Abt. der ÖVP schreiben um nix besser, aber sie sind halt einfach gestartet, ohne Platzkonzert und Luftballons.

    Und jetzt kommt die Schadenfreude ins Spiel, und damit Werner Failmann … Die Presse kritisierte natürlich den Auftritt des @teamkanzler, bezeichneten ihn zu Recht als nicht mehr als einen zusätzlichen Kanal für Pressemeldungen, aber die Kritik war noch verhalten, die ÖVP hielt sich sowieso, in realistischer Einschätzung ihrer eigenen Accounts, zurück. Und bevor die Maschinerie richtig in Gang kam (FPÖ, GRÜNE und BZÖ kamen kaum mehr zum reagieren) war WernerFailmann da … und mit ihm die, berechtigte, Schadenfreude.

    Journalisten, Politiker aller Parteien, auch der SPÖ, mussten nichts mehr tun, keiner könnte so schadenfroh, so respektlos schreiben, wie eben Failmann. Man musste/durfte nur mehr zitieren, auf ihn verweisen, konnte de facto genauso schadenfroh und respektlos sein wie er, ohne als „Bösewicht“ oder Netzbeschmutzer dazustehen.

    Was die Dauer seines Wirkens betrifft, denke ich, dass WernerFailmann noch nicht ausgedient hat, glaube sogar, dass er das @teamkanzler überleben wird. Wenn man die Twitter-Korrespondenz zwischen Armin Wolf und Frau Faigl hinsichtlich einer Einladung in die ZiB2 verfolgt hat, kann man das „Potential“ erahnen (ist nicht bös‘ gemeint, es war halt auch ungeschickt).

    Werner Failmann ist sowas wie ein Hoffnarr oder TillEulenspiegel, die den Obrigen bis hin zu den Obersten auf schelmische Art und Weise einen Spiegel vorhielten. Die Klugen verstanden und handelten danach … deshalb glaub‘ ich, hoffe auf Vernunft und Einsicht, wird’s @teamkanzler nicht mehr lange geben, da ist meiner Meinung nach nichts mehr zu retten. Dann wird auch Werner Failmann verschwinden. Falls nicht, wird auch er seinen Hofnarren finden, …

  24. Ralf Tometschek
    Am 26. November 2011 um 00:04 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die digitale Parodie ist wohl das geringste Problem, das dieser Bundeskanzler hat. Seine Probleme sind zutiefst analog.

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