Faymann im Partykeller

Den folgenden Kommentar zum „Ballhausplatz 2.0“ habe ich für die Zeitung medianet verfasst (aus irgendeinem Grund haben die dort noch ein „Web“ zwischen den Ballhausplatz und das 2.0 geschoben.) Die Vorgabe, sich auf etwa 1.400 Zeichen (= 10 Tweets ;-) zu beschränken, war zwar hart, aber sinnvoll – denn ein abendfüllendes Thema werden die Social Media-Aktivitäten des Bundeskanzlers wohl eher nicht mehr.

Die sozialen Medien sind wie eine Party, auf der viele Menschen angeregt miteinander diskutieren. Wer verspätet kommt, stellt sich am besten zu einer interessanten Runde, verfolgt das Gespräch und beginnt nach einiger Zeit mitzureden – so lernt man neue Leute kennen. Der Social Media-Einstieg des Bundeskanzlers hat gezeigt, dass die heimische Spitzenpolitik noch nicht reif für diese Party ist. Statt sich langsam einzuklinken, wurde durch Ankündigungen eine uneinlösbare Erwartungshaltung geschaffen. Kritik und Häme des aktivsten Teils der österreichischen Social Media-Szene waren vorprogrammiert – trotz des beträchtlichen Aufwands. Der Haken am Auftritt des Kanzlers war nicht das, was kam, sondern das, was fehlte: der richtige Stil für die Party im Netz. Ein Defizit, das noch gelöst werden kann.

Einen strategischen Fehler kann das Kanzlerteam allerdings nicht mehr korrigieren: Der Social Media-Auftritt wird vom BKA und nicht von der Löwelstraße betrieben. Um nicht dafür kritisiert zu werden, öffentliche Mittel für Parteizwecke zu missbrauchen, wird Werner Faymann daher auf die Möglichkeit verzichten müssen, seine auf Facebook & Co. gewonnenen Fans in Wahlkampfzeiten mit netztauglichen Kampagnenaktivitäten zu mobilisieren – eine vergebene Chance. Dabei hätte eine simple Recherche den Kanzler­beratern zu denken geben müssen: Die Fanpage von Barack Obama wird von dessen Wahlplattform „Obama for America“ betrieben.

Stichwort Party: Heute ab 19.00 Uhr steigt im Depot (7., Breite Gasse 3) die Launch-Party zum Start des neuen Blogprojekts USA2012.at, das von Josef Barth, Yussi Pick und mir betrieben wird (wer mehr dazu wissen möchte, findet uns auch auf Facebook und Twitter). Wer Zeit und Lust hat, ist herzlich eingeladen vorbeizuschauen.

Dieser Beitrag wurde in Medien veröffentlicht. Ein Lesezeichen auf das Permalink. setzen. Kommentieren oder einen Trackback hinterlassen: Trackback-URL.

2 Trackbacks

Einen Kommentar hinterlassen

Ihre E-Mail wird niemals veröffentlicht oder weitergegeben. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Sie können diese HTML-Tags und -Attribute verwenden <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

*
*