Hermetisch abgeschottert

Einmal mehr hat Maria Fekter aus ihrem Herzen keine Schottergrube gemacht. Am Rande der gestrigen Sitzung der Euro-Gruppe in Polen setzte die – für ihre saloppen Sager bekannte – Finanzministerin den wachsenden Unmut mit Bankenprivilegien und Steuergeschenken für Vermögende mit der Judenverfolgung gleich.

Walter Gröbchen bringt es auf den Punkt, wenn er meint, dieser krude Vergleich sei „nicht nur historisch falsch und sachlich unangebracht“, sondern auch „schlichtweg obszön“. Doch was sagt uns diese – auf derStandard.at höflich als „ungewöhnlich“ bezeichnete – Aussage über das Weltbild von Frau Fekter?

Das dramaturgische Bild ist eindeutig: Schützend stellt sich die Finanzministerin vor die „armen“ Banker, Reichen und Vermögenden, die ihrer Meinung nach einer schlimmen Verfolgung ausgesetzt sind. So schlimm, dass sie offensichtlich kein Problem damit hat, Parallelen zum Holocaust zu ziehen.

Eine bemerkenswerte psychologische Leistung, mit der es ihr gelingt, sich in die Pose der Widerstandskämpferin zu werfen. Sie sieht sich auf der Seite der (vermeintlich) „Schwächeren“, die zu Unrecht angefeindet werden und vor den niedrigen Instinkten der Masse bewahrt werden müssen – als hätten die oberen Zehntausend diesen Schutz wirklich nötig.

Jene kritischen Stimmen, die für einen gesellschaftlichen Ausgleich eintreten und die sich immer größer werdende Schere zwischen Arm und Reich schließen wollen, werden von ihr in einen Topf mit den größten Verbrechern des 20. Jahrhunderts geworfen. Faschismuskeule von rechts, quasi. Und ganz nebenbei verharmlost sie damit auch noch die Gräuel der Judenverfolgung, aber das ist schon beinahe ein Nebenpfad ihrer eigenartigen Denkweise.

Fekter zeigt damit, dass sie in einer hermetisch abgeschotterten Welt lebt und keinerlei Verständnis für die Sorgen einer breiten Bevölkerungsmehrheit hat – von den Nöten der sozial Schwächsten gar nicht zu reden.

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Ein Kommentar

  1. Markus Pirchner
    Am 17. September 2011 um 13:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Fehlt nur noch das Fazit: Rücktritt. Aber sofort.

4 Trackbacks

  • Von Blog: Hermetisch abgeschottert | Fachgruppe Werbung Wien am 17. September 2011 um 05:09 Uhr veröffentlicht

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  • Von Hermetisch abgeschottert | Fachgruppe Werbung Wien am 28. Juli 2012 um 17:28 Uhr veröffentlicht

    […] Read the original: Hermetisch abgeschottert […]

  • Von Was hat Maria Fekter eigentlich gesagt? | knapp.xyz am 25. Januar 2015 um 22:40 Uhr veröffentlicht

    […] Fekter sieht die Reichen des Landes bzw. Europas also anscheinend einer schlimmen Verfolgung ausgese…, die so schlimm ist, dass Fekter dabei an antisemitische Hetze denken muss. Und an zwei Kriege. Aber, woran genau denkt Fekter eigentlich? Es folgt nun ein kurzer Versuch, Maria Fekter zu verstehen. […]

  • Von Was hat Maria Fekter eigentlich gesagt? › Feuerhaken.org am 22. Dezember 2015 um 00:24 Uhr veröffentlicht

    […] Fek­ter sieht die Reichen des Lan­des bzw. Europas also anscheinend einer schlim­men Ver­fol­gu…, die so schlimm ist, dass Fek­ter dabei an anti­semi­tis­che Hetze denken muss. Und an zwei Kriege. Aber, woran genau denkt Fek­ter eigentlich? Es folgt nun ein kurzer Ver­such, Maria Fek­ter zu verstehen. […]

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