Einfach ignorieren

Den folgenden Beitrag habe ich als Kommentar für die Zeitung medianet verfasst, weil ich auf Facebook inzwischen beinahe täglich mit Freundschaftsanfragen von irgendwelchen Organisationen, Gruppen oder Unternehmen belästigt werde …

Stilfrage. Finden Sie nicht, dass seriöse Unternehmen ein anderes Kommunikationsverhalten an den Tag legen sollten als die Pornoindustrie? Diese ist zwar spätestens seit den Zeiten der VHS-Kassette ein Vorreiter in der Nutzung neuer Technologien, aber abgesehen davon nicht gerade für ihren Vorbildcharakter bekannt.

Trotzdem benehmen sich viele Unternehmen auf Facebook, Twitter und Co. so unsensibel wie die Absender von Spam-Mails für Schwellkörpererweiterungen. Statt zuzuhören und den individuellen Dialog auf Augenhöhe zu pflegen, müllen sie alle verfügbaren Kommunikationskanäle mit austauschbaren Werbebotschaften zu. Dabei sollte es sich schon herumgesprochen haben: Was in der klassischen Werbung sinnvoll ist, kann in den sozialen Medien schnell deplatziert und peinlich wirken. Oder würden Sie jemanden raten, mit einem Megafon zu einem Cocktailempfang zu kommen und seine Botschaften ungeachtet des jeweiligen Gesprächsthemas wahllos in die Gruppe zu brüllen, nur weil das auf einem Supermarktparkplatz gut funktioniert hat?

Seit einiger Zeit bekomme ich beispielsweise auf Facebook immer wieder Freundschaftsanfragen der Marke X oder des Produkts Z. Hallo? Hat irgendjemand auch nur eine Sekunde Hirnkapazität an die Frage verschwendet, ob ich tatsächlich mit einem Staubwedel befreundet sein möchte? Menschen wollen mit Menschen kommunizieren, darum heißt die Plattform auch FACE-book. Zum Glück gibt es dort einen höflich formulierten Button für solche Anfragen. Er heißt „Ignorieren“.

Leider war die Zeichenzahl im medianet streng begrenzt, sonst hätte ich mich noch ein wenig ausführlicher über diese neue Unart ausgelassen. In diesen Tagen wollten beispielsweise „Zwangsgetrennte Binationale Paare“, der „Gasthof Stiegenwirt“ und die „Sommerspiele Melk“ meine Freunde werden. Ich habe ihr Ansinnen – richtig geraten – ignoriert, denn so wie manche Menschen nichts essen, was (mal) Augen hat(te), befreunde ich mich nicht mit jemanden, der kein Gesicht hat. Prinzipiell.

Leider bin ich dadurch nicht in der Lage, die zwangsgetrennten binationalen Paare, den Gasthof Stiegenwirt und die Sommerspiele Melk darauf hinzuweisen, dass es für Sie auf Facebook so etwas wie Gruppen und Fanpages geben würde. Aber vielleicht liest da hier ja ein Freund oder eine Freundin der zwangsgetrennten binationalen Paare, des Gasthofs Stiegenwirt und der Sommerspiele Melk, der/die diesen kleinen Tipp weiterleiten mag. In aller Freundschaft, natürlich.

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  • Von purchase social media am 5. Januar 2017 um 13:43 Uhr veröffentlicht

    purchase social media

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