Wiener Ungemütlichkeit

Der nachfolgende Text – er klingt ein wenig wie ein Gedicht von H. C. Artmann oder eine Passage aus dem Herrn Karl – bringt die Haltung (oder besser: den Zustand) vieler Wienerinnen und Wiener zu ihren Mitmenschen äußerst prägnant auf den Punkt.

Ich darf zitieren:

Die Wiener Werte sind ganz einfach definiert:
Jeder is willkommen,
solang er das tut, wos a Wiener wü.
Da Wiener wü: sei Ruah hom.
Da Wiener wü: sein Spass hom.
Er wü ned: geschlaucht werdn,
von irgendwöche Auswärtign … Ämter
oder sonst irgendwas.
Er möcht seina Oabeit nochgehn,
am Obend sei Bia trinken
ohne das eam irgendana auf die Fiass tritt.
Genau des iss.
I mog
a
jetzt do
aufm Christkindlmarkt
stehn,
mein Glühwein trinkn
ohne dass mi irgendjemand verurteilt dafür.
So isses.

Der Qualtinger hätte wahrscheinlich seine Freude mit diesem Text gehabt. Es handelt sich dabei aber nicht um ein bissiges Kleinod der heimischen Literatur, sondern um den Originalton des 42-jährigen Kunstschmieds Hermann, der im „Speakers Corner“ von derstandard.at über die „Wiener Werte“ philosophiert.

Besser (und vor allem deutlich prägnanter) als so manche langatmige Abhandlung zu diesem Thema zeigt er auf, wie hantig und wehleidig zugleich die berühmte Wiener Gemütlichkeit sein kann. Ehrlich: Ich mag Wien und Menschen wie Hermann gehören dazu. Aber ein bisserl ungemütlicher könnte es schon manchmal sein, bitte.

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