Marek musste wollen

Es ist keine Überraschung mehr, dass Christine Marek die Bundespolitik verlässt. Bemerkenswert ist nur, wie uns dieser Schritt als ihre Entscheidung verkauft wird. Denn was sie nun in Wien erwartet, kann sie sich nie im Leben gewünscht haben.

ÖVP-Vorsitzender Josef Pröll hatte letzten Dienstag nach dem Ministerrat betont, dass es keinen Grund gebe, über einen Abgang Mareks aus der Regierung auch nur zu spekulieren. Damit sprach er (zumindest großteils) die Wahrheit, denn seit dieser Äußerung war aus den Spekulationen über Mareks Abgang schon fast so etwas wie Gewissheit geworden. In den Medien wurden kurz danach die Namen ihrer Nachfolgerinnen gehandelt. Christine Marek muss also spätestens zu diesem Zeitpunkt klar gewesen sein, dass ihre Tage in der Bundespolitik gezählt sind.

Zumindest über das Timing des Abgangs herrschte Einigkeit. In einem Interview für das Ö1-Mittagsjournal konnte Pröll diesen Samstag nochmals medienwirksam betonen, dass Marek selbst entscheiden muss, ob sie in der Bundesregierung bleiben möchte. Und tags darauf gab die designierte Ex-Familienstaatssekretärin schon ein Interview im „Kurier“, um ihre Entscheidung bekannt zu geben. Ein logischer Zeitpunkt, denn eine Woche später wäre das Risiko zu groß gewesen, dass diverse Resultate der rot-grünen Koalitionsverhandlungen Mareks Wechsel zu einer stadtpolitischen Fußnote degradieren.

Damit wird zumindest der Schein gewahrt, Marek hätte sich aus freien Stücken dafür entschieden, die Wiener Schwarzen in die Opposition zu führen. Wünsche sehen aber anders aus. Schließlich hat Marek in der ÖVP Wien nur wenige Freunde, seit sie (nach dem überraschenden Wechsel ihres Vorgängers Johannes Hahn nach Brüssel) quasi in letzter Sekunde und mit Schützenhilfe der Bundespartei zur Vorsitzenden der Wiener ÖVP gekürt wurde. Ich habe nicht vergessen, dass „Die Presse“ zuvor bereits mit „Harry Himmer neuer Chef der Wiener Stadt-Schwarzen“ getitelt hatte. Und Himmer wird sich sicher noch viel besser daran erinnern als ich …

Marek hätte problemlos Staatssekretärin bleiben können, wenn sie in Wien eine starke, innerparteilich akzeptierte Vertrauensperson gehabt hätte, die ihr als Landesgeschäftsführer/in und/oder Klubobmann/-frau den Rücken freihält. Das Fehlen einer solchen Person zeigt eigentlich schon, dass sie in ihrer eigenen Partei keinen leichten Stand haben wird. Und ohne bundespolitische Bühne wird es Marek jetzt noch schwerer haben, sich zwischen Rot-Grün auf der einen und der FPÖ auf der anderen Seite zu profilieren.

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Ein Trackback

  • Von Unbedankte Leidensfähigkeit am 9. September 2011 um 23:27 Uhr veröffentlicht

    […] gut elf Monaten habe ich in diesem Blog geschrieben, dass Marek sich nie im Leben gewünscht haben kann, was sie in Wien erwartet – doch ein […]

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