Hilfe, die Griechin kommt

Die „Kronen Zeitung“ hat heute mit einer Headline aufgemacht, die vor Ressentiment nur so strotzt. Offensichtlich arbeiten dort nicht genug Menschen mit Migrationshintergrund.

Cover der "Kronen Zeitung" vom 3. November 2010

Ich will jetzt mal wohlmeinend sein: Vielleicht hatte der Texter des heutigen Krone-Aufmachers einfach Probleme mit der Schreibweise des Namens „Vassilakou“. Vielleicht hatte er für einen so langen Namen schlicht nicht genug Platz. Oder er wollte bloß originell sein (man beachte immerhin den – durchaus zum Aufmacher passenden – Fototitel „Österreichs heißestes Liebespaar“) und hat den Unterton in der Überschrift deshalb nicht registriert.

Alles möglich. Es stellt sich nur die Frage, warum eine solche Headline tatsächlich gedruckt wird. Nachvollziehbar wird dieser Fehlgriff, wenn man das – zufälligerweise ebenfalls heute veröffentlichte – Interview des Innenpolitik-Chefs der „Kronen Zeitung“, Claus Pándi, mit dem Wiener Stadtmagazin „Das Biber“ liest. Darin erklärt Pándi, dass eine Kolumne mit einem schwarzen Kolumnisten in der Krone nicht möglich ist, weil der „autochthone“ Österreicher, nun ja, etwas zu langsam lernt.

Das ist des Rätsels Lösung: Weil wir „einheimischen“ Österreicher uns nicht auf Integration einlassen wollen, arbeiten in der Krone-Redaktion nicht genug Menschen mit Migrationshintergrund, die solche Aufmacher intern kritisch zur Diskussion stellen könnten. Alles klar. Ein Pándi scheint jedenfalls zu wenig zu sein, um daran etwas zu ändern.

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6 Kommentare

  1. Am 4. November 2010 um 11:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Was soll man dazu wohl groß sagen: typisch Krone – und offenbar ist der gemeine Österreicher offenbar integartionsunwillig, und noch offenbarer versteht der unter dem Titel „Integration“ in Wirklichkeit Assimilation, diese soll im Übrigen von den „Ausländern“ gemacht werden.

    Und: Ausländer bleibt Ausländer und Griechin Bleibt Griechin, auch wenn Sie schon lange die Österreichische Staatsbürgerschaft besitzt.

  2. Am 4. November 2010 um 12:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Passend dazu fand ich die Überschrift im heutigen „Österreich“: Grüne wird „Ausländer“-Stadträtin. Wenns um Integration geht, gehts halt immer nur um „die anderen“ – wobei man fast schon froh sein muss, wenn nicht von „Fremden“ die Rede ist, der österreichische Gesetzgeber tut es leider immer noch und sieht anscheinend auch absolut keinen Grund, diese Begrifflichkeit mal zu überdenken.

  3. Am 5. November 2010 um 11:31 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hallo Sonja, über den sperrigen Begriff „Integration“ mache ich mir schon seit einiger Zeit viele Gedanken, vielleicht sollte ich dazu mal was posten. „Integrieren“ bedeutet ja eigentlich, ein Ganzes, eine Einheit herzustellen – stellt sich nur die Frage, ob das in unserer pluralistischen Gesellschaft überhaupt noch möglich/erstrebenswert ist. Wohl kaum.

  4. Am 5. November 2010 um 21:16 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ja, mit dem Begriff Integration ist das tatsächlich so eine Sache, mir geht er inzwischen mächtig auf den Wecker, denn in Wahrheit geht´s bei all den Themen darum, Chancengleichheit für alle herzustellen – nur dass der Diskurs schon so kulturalisiert ist, dass darauf völlig vergessen wird.

    Allerdings ist das ja auch nicht alles: Die Polarisierung von „wir“ und „die anderen“ weist ja darauf hin, wie sehr es dann doch wieder um Assimilierung und die Herstellung eines angeblich einheitlichen Ganzen geht. Doch wie das aussehen soll? Na ja. Gudrun Harrer hat einen ganz witzigen Kommentar dazu geschrieben: http://derstandard.at/1288659396060/Einserkastl-guha-Apropos-Integration

    Ansonsten empfehle ich noch: http://www.demokratie-statt-integration.kritnet.org/

  5. Am 8. November 2010 um 18:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Da bin ich ganz deiner Meinung. Manchmal habe ich schon fast das Gefühl, manche Kräfte (Krone, FPÖ etc.) brauchen „die anderen“, um ihr enges Verständnis vom „wir“ aufrecht erhalten zu können. Danke jedenfalls für die interessanten Links. lg,S.

  6. Tom
    Am 11. November 2010 um 12:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wahrscheinlich hat die „Krone“ 1984 ja auch getitelt: „Behm wird Wiener Bürgermeister!“ – oder Jahre später dann: „Tschech als neuer ‚Krone‘-Ombudsmann!“ – oder doch nicht??

3 Trackbacks

  • Von Was will uns die Krone sagen? am 28. Februar 2012 um 12:11 Uhr veröffentlicht

    […] eine Doppelstaatsbürgerschaft. Politikberater und Ex-Fischer-Wahlkampfleiter Stefan Bachleitner findet dennoch: ..eine Headline, die vor Ressentiment nur so strotzt. Offensichtlich arbeiten dort nicht genug […]

  • Von web site am 5. November 2016 um 03:05 Uhr veröffentlicht

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  • Von shared reading am 9. November 2016 um 06:55 Uhr veröffentlicht

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