#unibrennt lernt

Mit einer gewissen Erleichterung habe ich heute gelesen, dass aus der gestrigen Audimax-Besetzung keine Dauereinrichtung gemacht wurde. Das freut mich, denn die Anliegen der Studierenden sind zu wichtig, um sie durch sinnlose Aktionen zu schwächen.

Schon im vergangenen Jahr hat sich gezeigt, dass die permanente Besetzung des Audimax eine Sackgasse für die Protestbewegung ist. Je länger eine solche Besetzung dauert, desto schwieriger wird es, sie aufrecht zu erhalten und desto weniger Verständnis und Unterstützung gibt es dafür. Auch das Interesse der Medien an solchen Aktionen erlahmt naturgemäß nach den ersten Wochen. Und weil selbst die stärksten Studierendenproteste in Ferien- und Prüfungszeiten an Schwung verlieren, ist dann spätestens zu Ostern die Luft draußen. Eine permanente Audimax-Besetzung wäre daher für #unibrennt nichts anderes als Harakiri mit Ansage gewesen.

Dennoch haben sich bei früheren Protesten stets die Befürworter/innen einer Dauerbesetzung durchgesetzt. Das ist verständlich, denn eine Besetzung wirkt irrsinnig einfach, wenn das Audimax voll und die Stimmung kämpferisch ist. In einer solchen Situation die Inbesitznahme des Audimax auszurufen ist in etwa so aufwändig wie die Gründung einer Facebook-Gruppe. Gedanken über Exit-Möglichkeiten bleiben dabei stets auf der Strecke, haftet ihnen doch beinahe etwas Verräterisches an. Doch ohne Auswege steckt die Bewegung dann im Audimax fest. Eine immense Verschwendung von Protestenergie und eine frustrierende Niederlage wären vorprogrammiert.

Zumindest Teile der Protestbewegung scheinen das inzwischen erkannt und aus den Fehlern von 2009 gelernt zu haben. Das ist erfreulich. Wenn #unibrennt tatsächlich so schnell lernt, dann stehen die Chancen gut, dass die Proteste unsere Universitäten zum Besseren verändern.

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4 Kommentare

  1. Art Vandelay
    Am 22. Oktober 2010 um 19:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Wenn #unibrennt tatsächlich so schnell lernt, dann stehen die Chancen gut, dass die Proteste unsere Universitäten zum Besseren verändern.“

    Was wäre eine Veränderung zum Besseren? Für mich als Sozialdemokrat ist es sehr bedauerlich, dass auf diese Frage von der SPÖ eigentlich keine Antworten kommen. Gut die SPÖ stellt nicht die Wissenschaftsministerin, aber auch der ÖAAB schreibt Schulkonzepte ohne, dass die ÖVP die Bildungsministerin stellt. Ich würde mir sehr wünschen, dass die SPÖ ein tragfähiges, zukunftsfähiges, dem Bildungsideal der ArbeiterInnenbewegung und der #unibrenntbewegung (das bei genauerem hinsehen praktisch ident ist) entsprechendes Hochschulkonzept vorlegt. Das würde der ganzen Diskussion auch massiv helfen.

  2. Am 25. Oktober 2010 um 12:56 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Das denke ich auch. Erfreulich wäre jedenfalls, wenn die eigenartige Logik „Mehr Geld gibt es nur für weniger Studierende“ endlich durchbrochen werden würde.

  3. Am 4. November 2010 um 11:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Von der SPÖ gibt es aus meiner Sicht zwar genug Antworten, sie setzt sich aber in den letzten Jahren viel zu selten bei essentiellen Fragen gegen die ÖVP durch.

    Sie sind einfach schlechte Verhandler, das sieht man z.B. daran, dass sie wichtige Schlüsselressorts nicht inne hat (Finanzministerium, Innenministerium).

    Diese Nichtdurchsetzungsfähigkeit wird dann auch oft noch als Ausrede von den Roten verwendet, in dem sie sagen „wir würden ja gern, aber mit den Schwarzen geht das nicht“.

    Um des koalitionären Friedens Willen werden dann konfliktreiche Themen entweder ausgespart oder mit „österreichischen Lösungen“ versehen. Das Problem ist, dass diese halbgaren Antworten nicht mehr für die Problemstellungen der heutigen Zeit Antworten liefern können.

    Ich fände es deshalb sehr wichtig, wenn sich Bildungssprecher der SPÖ und andere massiv gerade in der Unipolitik massiv mit eigenen Ideen zu Wort melden, um zu zeigen dass sie die besseren und reichhaltigeren Antworten in diesem Bereich hätten als die derzeitige Ressortleiterin Karl – davon bin ich auch als Nicht- Sozialdemokrat und Nicht- SPÖ- Wähler durchaus überzeugt.

  4. Am 5. November 2010 um 12:21 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hallo Stefan, da sprichst du einen wichtigen Punkt an. In der SPÖ gibt es absolut sinnvolle Vorschläge zur Verbesserung unserer Universitäten (dafür sorgen nicht zuletzt die ehemaligen VSStÖlerInnen in den Parteistrukturen ;-). Die „Nichtdurchsetzung“ dieser Ideen gegenüber der ÖVP ist in meinen Augen aber nur ein Teil des Problems. Wirklich frustrierend wird das in Kombination mit den Versuchen, laue (bis maue) Kompromisse als geniale Verbesserungen zu präsentieren. Damit tut sich die SPÖ keinen Gefallen.

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